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Wohnungsmarkt in Baden-Württemberg: Mehr Genehmigungen, aber weiterhin knapper Wohnraum
In Baden-Württemberg wurden im zweiten Quartal 2026 deutlich mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig warnt der Mieterbund davor, dass die angespannte Wohnraumsituation zunehmend die wirtschaftliche Entwicklung des Bundeslandes behindert.
Mehr Wohnungen im zweiten Quartal genehmigt
Wie das Stuttgart Journal berichtet, wurden im zweiten Quartal 2026 insgesamt 8.987 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden bewilligt. Das entspricht einem Anstieg von 14,1 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025.
Auch im Vergleich zum Jahresbeginn setzte sich die positive Entwicklung fort. Im ersten Quartal 2026 waren 8.168 Wohnungen genehmigt worden, im zweiten Quartal lag die Zahl damit 10,0 Prozent höher. Gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres wurden 1.110 Wohnungen mehr genehmigt.
| Zeitraum | Genehmigte Wohnungen | Entwicklung |
|---|---|---|
| Erstes Quartal 2026 | 8.168 | – |
| Zweites Quartal 2026 | 8.987 | 10,0 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2026 |
| Zweites Quartal 2025 | – | 14,1 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2026 |
Zusammenfassung: Im zweiten Quartal 2026 wurden 8.987 Wohnungen genehmigt. Die Zahl lag 14,1 Prozent über dem Vorjahresquartal und 10,0 Prozent über dem ersten Quartal 2026.
Neubauten treiben den Anstieg
Besonders stark nahm die Zahl der Genehmigungen für Wohnungen in neu zu errichtenden Gebäuden zu. Im zweiten Quartal 2026 wurden dafür 7.809 Wohnungen bewilligt. Im zweiten Quartal 2025 waren es 6.407 Wohnungen, was einem Anstieg von 21,9 Prozent entspricht.
Rückläufig war dagegen die Zahl der Wohnungen, die durch Umbauten, Ausbauten oder Erweiterungen bestehender Gebäude entstehen. Hier wurden im zweiten Quartal 2026 insgesamt 1.178 Wohnungen genehmigt. Im Vorjahreszeitraum waren es 1.470 Wohnungen, also 19,9 Prozent mehr.
Die Entwicklung war innerhalb des zweiten Quartals nicht durchgehend positiv. Im Juni 2026 wurden 3.166 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt. Das waren 0,8 Prozent weniger als im Juni 2025. Von den Juni-Genehmigungen entfielen 2.651 Wohnungen auf Neubauten und 515 Wohnungen auf Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden.
- 7.809 Wohnungen wurden im zweiten Quartal 2026 in neu zu errichtenden Gebäuden genehmigt.
- 1.178 Wohnungen entstanden durch Umbauten, Ausbauten oder Erweiterungen bestehender Gebäude.
- Im Juni 2026 wurden 3.166 Wohnungen genehmigt.
Zusammenfassung: Der Zuwachs bei den Genehmigungen geht vor allem auf Neubauprojekte zurück. Genehmigungen für Wohnungen in bestehenden Gebäuden gingen dagegen zurück.
Mehrfamilienhäuser legen deutlich zu
Bei den neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden im zweiten Quartal 2026 insgesamt 7.590 Wohnungen genehmigt. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 entspricht das einem Anstieg von 10,3 Prozent.
Den größten Anteil hatten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit drei oder mehr Wohnungen. In diesem Bereich wurden 5.133 Wohnungen genehmigt. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 bedeutete das einen Anstieg von 25,7 Prozent.
Auch bei Zweifamilienhäusern nahm die Zahl der Genehmigungen zu. Mit 676 Wohnungen lag sie 28,5 Prozent über dem Wert des ersten Quartals 2026. Für Einfamilienhäuser wurden dagegen 1.418 Wohnungen genehmigt, 9,9 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.
Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Wohnungen in Wohnheimen aus. Ihre Zahl sank auf 363 und lag damit 48,3 Prozent unter dem Wert des ersten Quartals 2026.
| Gebäudeart | Genehmigte Wohnungen im zweiten Quartal 2026 | Entwicklung gegenüber dem ersten Quartal 2026 |
|---|---|---|
| Mehrfamilienhäuser mit drei oder mehr Wohnungen | 5.133 | 25,7 Prozent mehr |
| Zweifamilienhäuser | 676 | 28,5 Prozent mehr |
| Einfamilienhäuser | 1.418 | 9,9 Prozent weniger |
| Wohnheime | 363 | 48,3 Prozent weniger |
Infobox: Der Schwerpunkt der Entwicklung lag bei Mehrfamilienhäusern und Zweifamilienhäusern. Genehmigungen für Einfamilienhäuser und Wohnheime gingen gegenüber dem ersten Quartal 2026 zurück.
Mieterbund sieht Wohnungsknappheit als Wachstumsbremse
Während die Genehmigungszahlen im zweiten Quartal gestiegen sind, bewertet der Mieterbund die Wohnraumsituation in Baden-Württemberg weiterhin kritisch. Nach einem Bericht von Börse Express entwickelt sich die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt zunehmend zu einem signifikanten Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung des Bundeslandes.
Der Landesverband sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum und der Sicherung des künftigen Wohlstands in der Region. Winfried Kropp, der seit Mitte Juli das Amt des Landeschefs beim Mieterbund bekleidet, warnte vor den Folgen der anhaltenden Wohnungsknappheit.
„Ohne verfügbaren Wohnraum keine neuen Arbeitskräfte für die lokalen Unternehmen.“
Nach Einschätzung des Mieterbundes fungieren hohe Mieten und das geringe Angebot an freien Wohnungen als Wachstumsbremse für das gesamte Bundesland. Die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes hänge maßgeblich davon ab, ob potenzielle Arbeitskräfte eine angemessene Unterkunft finden könnten.
Zusammenfassung: Der Mieterbund betrachtet bezahlbaren Wohnraum als wichtigen Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung Baden-Württembergs. Hohe Mieten und ein geringes Angebot könnten die Gewinnung neuer Arbeitskräfte erschweren.
Wohnraummangel erschwert die Rekrutierung von Fachkräften
Ein zentraler Punkt der Warnung betrifft die Personalgewinnung. Laut Börse Express erschwert der fehlende Wohnraum Unternehmen zunehmend die Besetzung offener Stellen mit qualifizierten Bewerbern.
Der Mieterbund beschreibt dabei ein strukturelles Problem: Selbst höhere Gehälter könnten den Nachteil steigender Wohnkosten häufig nicht ausgleichen. In vielen Fällen würden die zusätzlichen Mietausgaben die Lohnsteigerungen vollständig aufzehren.
Dadurch sinke der Anreiz, für einen Arbeitsplatz nach Baden-Württemberg zu wechseln oder in der Region zu bleiben. Die Wohnungssuche werde damit zu einem Faktor, der nicht nur private Haushalte, sondern auch die Personalplanung der Unternehmen beeinflusse.
- Fehlender Wohnraum erschwert die Gewinnung neuer Arbeitskräfte.
- Höhere Gehälter reichen laut Mieterbund häufig nicht aus, um steigende Wohnkosten auszugleichen.
- Zusätzliche Mietausgaben können Lohnsteigerungen vollständig aufzehren.
- Die Wohnraumsituation kann die Entscheidung für einen Arbeitsplatzwechsel oder den Verbleib in der Region beeinflussen.
Infobox: Nach Einschätzung des Mieterbundes ist die Wohnungsknappheit zu einem Problem für die Rekrutierung qualifizierter Beschäftigter geworden. Steigende Mieten können finanzielle Vorteile höherer Gehälter zunichtemachen.
Pflege, Busverkehr und Handwerk besonders betroffen
Besonders kritisch sei die Situation für Berufsgruppen, die für öffentliche Infrastruktur und Grundversorgung wichtig sind. Börse Express nennt insbesondere Beschäftigte in der Pflege, Busfahrer sowie Fachkräfte aus dem Handwerk.
In diesen Bereichen sei der Fachkräftemangel bereits deutlich spürbar. Wenn Pflegekräfte oder Handwerker in der Nähe ihres Arbeitsplatzes keine bezahlbare Wohnung finden, drohe eine weitere Verschärfung der Personalnot.
Der Mieterbund bewertet die Wohnungspolitik deshalb nicht mehr ausschließlich als soziales Thema. Sie müsse auch als wettbewerbsrelevanter Wirtschaftsfaktor betrachtet werden, weil die wirtschaftliche Stabilität des Landes eng mit der Entwicklung der Wohnungsmärkte verbunden sei.
Ohne eine Trendwende bei den Mietkosten und eine deutliche Ausweitung des Angebots sieht der Verband die Gefahr, dass der wirtschaftliche Motor Baden-Württembergs dauerhaft an Schwung verliert.
Zusammenfassung: Besonders systemrelevante Berufsgruppen könnten durch hohe Wohnkosten und fehlende Wohnungen weiter unter Druck geraten. Der Mieterbund fordert deshalb eine Entspannung der Wohnungsmärkte und mehr Angebot.
Quellen:















